Das Reiterdenkmal in Windhoek

Das Reiterdenkmal in Windhoek löst bei den Bewohnern Namibias kontroverse Diskussionen aus, denn wie kaum ein anderes Nationales Denkmal versinnbildlicht es die Vorherrschaft der Deutschen während der Kolonialzeit. Seit 1969 ist das Reiterdenkmal ein Nationales Monument.

Die Errichtung des Denkmals

Das Denkmal wurde zum Gedenken an die Opfer des Krieges zwischen dem deutschen Kaiserreich und den einheimischen Herero- und Nama-Stämmen errichtet. Allerdings zählt es nur die Opfer auf deutscher Seite auf, was bis heute zu anhaltender Kritik führt. Enthüllt wurde das Reiterdenkmal am 27. Januar 1912, am Geburtstag Kaiser Wilhelms II unter reger Beteiligung der deutschen Bevölkerung vom damaligen Gouverneur Dr. Theodor Seitz. Das Denkmal zeigt einen überlebensgroßen Reiter der deutschen Schutztruppen mit einem Gewehr in der Hand. Insgesamt ist das sehr heroisch anmutende Monument 9,50 Meter hoch.

Entworfen und erschaffen wurde die riesige Bronzestatue vom Berliner Bildhauer Adolf Kürle. Gegossen wurde die Statue in Berlin und dann mit dem Schiff nach Windhoek transportiert. Die Initiative zur Errichtung des Reiterdenkmals ging vom damaligen Gouvernement in Windhoek und vom Kommando der deutschen Schutztruppen unter dem Befehlshaber Oberst von Estorff aus. In Berlin wurde ein Wettbewerb unter einigen deutschen Künstlern ausgeschrieben, aus dem Schürle im zweiten Durchgang als Sieger hervorging. Finanziert wurde das Denkmal aus Spendensammlungen in Deutsch Südwest und in Deutschland. Die Deutschen gedachten an Tagen wie Volkstrauertag oder Totensonntag der gefallenen deutschen Soldaten und legten Kränze nieder, immer wieder wurden bei diesen Aktionen auch der deutsche „Nationalstolz“ und die „Vorherrschaft“ hervorgehoben.

Im Jahr 1959 kam es schließlich zu einem Protest der farbigen Bevölkerung am Denkmal. Als Reaktion auf die gewaltsame Niederschlagung einer Protestveranstaltung gegen die Auflösung eines Wohnviertels und Zwangsumsiedlung der farbigen Bevölkerung stülpten einige Herero einen Sack über den Kopf des Reiters. Die weiße Bevölkerung war entrüstet über die Aktion, das Unrecht an der farbigen Bevölkerung sahen sie offenbar nicht. Gerade in den letzten Jahren wurde das Denkmal sehr kritisch betrachtet und vor allem die Tatsache dass nur den toten Deutschen gedacht wurde, dominierte die Debatte.

Im Jahr 1990 befürchteten einige, das Reiterstandbild könnte aufgrund der Unabhängigkeit Namibias gestürzt werden um damit einen Neuanfang zu versinnbildlichen, doch dazu kam es nicht. Die namibische Regierung entschied sich dafür, auch einheimische Widerstandskämpfer zu ehren und so wurden unter anderem Denkmäler für die Stammeshäuptlinge Hosea Kutako oder Hendrik Samuel Witbooi enthüllt.

Der Umzug des Denkmals

Im Jahr 1912 fand das Reiterdenkmal seinen Platz zunächst vor der Christuskirche. Im Jahr 2009 beschloss man, an der Stelle ein Unabhängigkeitsmuseum zu errichten und das Denkmal sollte vernichtet werden. Das stieß in Teilen der deutschen Bevölkerung auf großen Widerstand und so organisierte der Deutsche Kulturrat einen Umzug des Reiterstandbildes vor die Alte Feste. Der Umzug wurde in Windhoek sehr kontrovers diskutiert. Im November 2010 schließlich wurde das Reiterdenkmal an seinem neuen Standort offiziell eröffnet.

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