Reisebericht 2005 · Namib und Küste

Gefangen im Sossusvlei

Es ist dunkel, drei von uns sitzen neben dem Auto im Sand und warten. Irgendwann tauchen in der Finsternis Scheinwerfer auf, die Rettung kommt.

Der Tag war jung, wir waren startklar und brachen zur nächsten Etappe auf. Ziel war die Gästefarm Weltevrede in der Nähe des Sossusvlei. Von Lüderitz aus nach Osten hielten wir noch einmal in Kolmanskop, um zu sehen, ob sich der Eintritt diesmal lohnt. Aber auch an diesem Morgen war es bewölkt und sehr windig, und der Sand fühlte sich an den Beinen wie Schleifpapier an.

Also fuhren wir weiter. In Aus tankten wir noch einmal, dann ging es nach Norden.

Breite Schotterpiste unter blauem Himmel mit Schleierwolken
Unterwegs
Gerade Schotterstraße unter grauem Himmel, am Horizont Berge
Immer noch unterwegs

Auf den ersten Kilometern Richtung Sossusvlei hatte ich starke Kopfschmerzen. Zum Glück musste ich nicht fahren. Unterwegs sahen wir immer wieder Tiere, Zebras etwa oder Springböcke.

Irgendwann tauchten am Horizont die ersten Dünen auf. Wir näherten uns den roten Sanddünen im Sossusvlei, einigen der höchsten der Welt.

Dann kamen wir am Tor an. Dort zahlten wir wieder einmal Eintritt, um das Gelände befahren zu dürfen. Bis zum eigentlichen Vlei lagen noch rund 60 Kilometer vor uns.

Tankstelle mit Dach und einem Reisebus unter Bäumen
Tankstelle vor dem Tor
Silberner Kleinbus vor einem flachen Gebäude
Unser Auto vor dem Eingang
Holzschild mit der Aufschrift Sossusvlei an einem Zaun
Das Eingangstor zum Sossusvlei

Als wir ausstiegen, traf uns fast der Schlag. Gefühlte 45 Grad, obwohl es nicht sonnig war und der Himmel anfangs noch grau. Auto und Kassenbüro waren klimatisiert, umso stärker spürten wir den Unterschied.

Gut, wir hatten gezahlt, wir durften weiter.

Verwitterte Straße, die auf eine rote Düne zuläuft
Die Straße zwischen Tor und Vlei

Die Straße zwischen Tor und Vlei war irgendwann einmal geteert gewesen. Irgendwann. Wir fuhren daneben, um das Auto zu schonen.

So legten wir rund 60 Kilometer zurück. Unterwegs sahen wir eindrucksvolle Sanddünen, die immer höher wurden, je näher wir dem Sossusvlei kamen.

Halb abgestorbener Kameldornbaum vor roten Dünen
Baum neben der Düne 45
Einzelnes Auto auf einer weiten Ebene vor roten Dünen
Unser Auto vor der Düne 45

An der Düne 45 hielten wir an. Pause machen, Erinnerungsfotos schießen und ein Stück die Düne hinauflaufen. Eine Kamera hat das nicht überlebt, sie bekam etwas von dem feinen roten Sand ins Objektiv. Sorry, Basti!

Dann ging es weiter Richtung Vlei. Vier Kilometer vor dem Ziel stand ein Schild: Ab hier nur noch mit Allradfahrzeug. Wir haben das nicht so ganz ernst genommen. Selbst schuld, werden jetzt viele sagen. Aber wir waren beim Mieten unerfahren und glaubten tatsächlich, wir hätten Allrad.

Nach ein paar hundert Metern geriet der Wagen stark ins Schlingern, und wir beschlossen, erst einmal anzuhalten. Das war der zweite Fehler. Einmal stehend, kamen wir nicht mehr vom Fleck. Der Toyota saß mit dem ganzen Unterboden auf dem Sand, und die Sonne brannte so, dass an Freigraben zunächst nicht zu denken war. Später zeigte sich, dass es ohnehin nichts gebracht hätte: Nach zwei Metern ging das Spiel von vorn los.

Wir suchten erst einmal Schatten unter einem der wenigen Bäume. Ein Kameldorn vielleicht?

Weite Sandebene im Abendlicht, am Horizont rote Dünen
Sossusvlei am Abend
Tiefer Sand mit Reifenspuren vor Dünen
Tiefer Sand
Reifenspuren im Sand, weit hinten rechts ein Auto
Unser Auto, hinten rechts

Hin und wieder kamen Touristen vorbei und fragten, was los sei. Einige versuchten, uns mit ihrem Wagen herauszuziehen, andere boten Wasser an. Davon hatten wir zum Glück selbst genug an Bord.

Als das letzte Touristenpaar vom Vlei zurückkam, fuhren zwei von uns die 60 Kilometer bis zum Tor mit. Die beiden sollten vorne Bescheid geben, dass wir hinten festsaßen. Am Einlass musste man sich registrieren, und wir wollten nicht als vermisst gelten, wenn wir nicht vollzählig zurückkamen. Wir anderen drei, ich auch, warteten beim Auto, bis jemand von vorne kommen würde.

Die Zeit verging, es wurde dunkel, zum Glück nicht kalt. Irgendwann sahen wir in der Finsternis Lichter auf uns zukommen. Die Rettung nahte.

Mit ziemlich großen Allradfahrzeugen zogen uns die Männer aus dem Sand. Billig war das nicht. Aber die paar Dollar zahlten wir am Ende gern, schließlich waren wir aus eigener Dummheit in den Sand gefahren.

Die Nacht auf der Gästefarm war ja gebucht. Also fuhren wir noch die paar Kilometer bis dorthin, wie viele es waren, weiß ich nicht mehr, damit wir wenigstens in einem richtigen Bett schlafen konnten.

Auf Weltevrede wurden wir schon erwartet. Man begrüßte uns herzlich und zeigte uns die Zimmer. Im Flur und im Bad saßen ein paar Geckos, aber wen stört das schon.

Vor dem Schlafengehen legten wir uns noch eine Weile nach draußen, schauten in den Nachthimmel Namibias und ließen die letzten Stunden an uns vorbeiziehen. Dieser Himmel ist ein Erlebnis, das ich nicht vergesse.

Heute, Stand Oktober 2026Vom Tor in Sesriem führen heute rund 60 Kilometer Asphalt bis zum 2x4-Parkplatz, die Düne 45 liegt bei Kilometer 45. Danach kommt tiefer Sand, je nach Quelle 5 oder 6 Kilometer. Mit einem Wagen ohne Allrad parkst du dort und nimmst den Shuttle; der kostet je nach Anbieter 180 oder 250 N$ (Stand Oktober 2026). 2026 hätte es fast auch Allradfahrer getroffen: Am 1. Mai wurden Selbstfahrer hinter dem 2x4-Parkplatz gestoppt, am 2. Mai hob das Umweltministerium die Regel wieder auf. Seitdem fährst du mit 4x4 wieder selbst, der Shuttle ist freiwillig. Seit dem 1. April 2026 kostet der Namib-Naukluft-Park 280 N$ pro ausländischem Erwachsenen und Tag. Die Gästefarm Weltevrede an der C19 nimmt weiter Gäste auf, laut einem Listing rund 47 Kilometer von Sesriem.

Unser TippBleib im tiefen Sand in Bewegung. Wer anhält, steckt schnell fest, so wie wir 2005.

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Gefangen im Sossusvlei: häufige Fragen

Kommt man ohne Allrad bis zum Sossusvlei?

Ohne Allrad fährst du am Sossusvlei bis zum 2x4-Parkplatz am Ende der Asphaltstraße. Die letzten 5 bis 6 Kilometer durch tiefen Sand legst du mit dem Shuttle oder einem 4x4 zurück.

Dürfen Selbstfahrer 2026 bis zum Deadvlei fahren?

Ja. Ein Verbot für Selbstfahrer hinter dem 2x4-Parkplatz am Sossusvlei galt am 1. Mai 2026 nur einen Tag, am 2. Mai hob das Umweltministerium es auf. Mit einem 4x4 fährst du selbst, der Shuttle ist freiwillig.

Wo liegt die Düne 45?

Die Düne 45 liegt an der Straße von Sesriem zum Sossusvlei bei Kilometer 45, daher der Name. Ein Stück hinauflaufen kannst du zu Fuß, pass aber auf Kamera und Objektiv auf, der feine Sand dringt überall ein.