Felsmalerei zweier Antilopen in Rot und Weiß

Sehenswertes · Damaraland und Kaokoveld

Brandberg

Halb neun, der Pfad in der Tsisab-Schlucht liegt noch im Schatten. Nach einer Dreiviertelstunde über Geröll hebt der Führer die Hand. Unter einem Überhang ziehen gemalte Antilopen und Jäger über den Fels, mittendrin eine helle Gestalt.

Foto: privat

Der Brandberg steht als fast runder Granitklotz in der Ebene, rund 30 Kilometer westlich von Uis. Sein höchster Gipfel heißt Königstein. Mit 2.573 Metern ist er der höchste Punkt Namibias, und im Mittel überragt das Massiv das Land ringsum um fast 2.000 Meter. Den Namen hat er vom Abendlicht, in dem der Granit zu glühen scheint. Die Damara sagen Dâures, brennender Berg, die Herero Omukuruvaro, Berg der Götter.

Königstein, höchster Gipfel Namibias
2.573 m
Felsmalereien, je nach Zählung
43.000 bis 50.000
Nationaldenkmal
1951
Fußweg zur White Lady, pro Richtung
rund 2,5 km

Der Granit ist vor 132 bis 130 Millionen Jahren als Schmelze aufgestiegen, als sich der Südatlantik zu öffnen begann. In seinen Schluchten haben Jäger und Sammler über Jahrtausende gemalt. Wie viele Bilder es sind, hängt von der Zählung ab: Die Angaben reichen von 43.000 bis 50.000 an mehr als 900 Fundstellen. Den größten Teil hat der Forscher Harald Pager in Zehntausenden Kopien von Hand festgehalten.

Allein darfst du nicht in die Schluchten. Zur White Lady gehst du nur mit einem Führer, und die Führer stellen die Daureb Mountain Guides, junge Leute aus Uis, die der National Heritage Council ins Leben gerufen hat. Vom Eingang am Ende der D2359 sind es rund zweieinhalb Kilometer über Geröll und trockene Flussbetten. Rechne mit 40 bis 60 Minuten pro Richtung.

Wer die White Lady ist

Die Figur ist knapp 40 Zentimeter groß, ältere Angaben nennen 45. Gefunden hat sie der deutsche Landvermesser Reinhard Maack in der Tsisab-Schlucht. Beim Datum widersprechen sich die Quellen: Ein Teil nennt den 4. Januar 1918, zwei Tage nachdem Maack mit zwei Begleitern als Erster auf dem Königstein stand, andere schreiben 1917. Maack hielt die Gestalt für einen Krieger.

Den Namen gab ihr der französische Priester und Vorgeschichtler Henri Breuil. Er verglich sie mit Bildern aus Knossos auf Kreta und sah darin eine junge Frau aus dem Mittelmeerraum. Sein Buch „The White Lady of the Brandberg“ erschien 1955. Heute gilt die Figur als Mann, wohl ein Krieger oder Schamane. Der Name ist trotzdem geblieben.

Die Malereien ringsum schätzt man auf 2.000 bis 4.000 Jahre. Jahrzehntelang gossen Besucher Wasser auf die Wand, damit die Farben leuchteten, und haben sie damit ausgebleicht. Danach schützte ein Gitter die Figur. Heute hält dich eine niedrige Absperrung auf Abstand, die den Blick frei lässt.

Königstein und die übrigen Schluchten

Auf den Königstein kommst du nur mit Genehmigung und Führer, meist auf einer Tour über zwei oder drei Tage. Die meisten steigen von Süden auf, zwischen April und September. Im Sommer klettert das Thermometer am Berg oft über 40 Grad. Für Wanderungen in den anderen Schluchten zahlst du pro Tag, für den Königstein einen festen Betrag; die Zahlen stehen im Kasten.

Bewohnt ist das Massiv nicht. Gerade deshalb ist es für Biologen ergiebig. 2002 wurde hier eine bis dahin unbekannte Insektenordnung entdeckt, die Mantophasmatodea, und vermutlich lebt nirgends im südlichen Afrika eine solche Vielfalt an Skorpionen.

Seit 2002 steht der Brandberg auf der Vorschlagsliste Namibias für das Welterbe. Ende Januar 2026 hat das Land die Bewerbung für das Gebiet Dâures/Brandberg bei der UNESCO eingereicht. Entscheiden soll das Welterbekomitee bis Juli 2027 (Stand Oktober 2026). Klappt es, wäre es nach Twyfelfontein und dem Namib-Sandmeer das dritte Welterbe des Landes.

Anfahrt und Permit

Von Uis fährst du rund 13 Kilometer auf der C35 nach Norden und biegst dann nach Westen auf die D2359 ab. Nach gut 20 Kilometern Schotter endet sie vor der Tsisab-Schlucht. Auf der Strecke von Swakopmund nach Twyfelfontein kostet dich der Abstecher also gut 40 Kilometer Piste hin und zurück, dazu den Fußweg.

Das Permit bekommst du beim National Heritage Council in Windhoek oder im Brandberg Rest Camp in Uis. Es gilt auch für die Felsbilder in der White Giraffe Cave und bei Jochman. In Uis gibt es eine Tankstelle und einen gut sortierten Supermarkt.

Dauer
drei bis vier Stunden ab Uis für die White Lady; Königstein zwei bis drei Tage
Kosten
White Lady mit Führer 270 N$ pro Person, andere Schluchten 700 N$ pro Person und Tag, Königstein 2.400 N$ pro Person (ausländische Erwachsene, letzte veröffentlichte Gebührenordnung des National Heritage Council, Stand Oktober 2026)
Wann
früh am Morgen, bevor sich die Schlucht aufheizt; Königstein zwischen April und September

Unser TippFrag im Brandberg Rest Camp in Uis nach Permit und Führer, bevor du auf die D2359 abbiegst. Nimm feste Schuhe und reichlich Wasser mit, der Weg zur White Lady führt über lose Steine.

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Brandberg: häufige Fragen

Kann man die White Lady ohne Führer besuchen?

Zur White Lady am Brandberg darfst du nur mit einem Führer gehen. Die Führer der Daureb Mountain Guides kommen aus Uis und begleiten dich vom Eingang der Tsisab-Schlucht.

Wie lange läuft man zur White Lady?

Vom Eingang der Tsisab-Schlucht bis zur White Lady sind es rund zweieinhalb Kilometer über Geröll. Rechne mit 40 bis 60 Minuten pro Richtung.

Warum heißt die White Lady so, obwohl sie ein Mann ist?

Den Namen White Lady prägte der Priester Henri Breuil, der in der Figur am Brandberg eine Frau aus dem Mittelmeerraum sah. Heute gilt sie als Mann, wohl ein Krieger oder Schamane, der Name ist geblieben.

Wie hoch ist der Brandberg?

Der Königstein, der höchste Gipfel des Brandbergs, ist 2.573 Meter hoch und damit der höchste Punkt Namibias. Hinauf kommst du nur mit Genehmigung und Führer, meist auf einer Tour über zwei oder drei Tage.